
Vor der Restaurierung sind die Katakombenheiligen in der Kirche Maria Himmelfahrt in Schluderns wohl kaum ins Auge gefallen als man die Kirche betrat. Ganz hinten am Hauptaltar in Nischen, von einer Glasscheibe geschützt und mit Schichten von Staub bedeckt, fristeten sie ihr Dasein im Dornröschenschlaf, bis sie restauriert wurden. Die Restaurierung war ein voller Erfolg, die Verschmutzungen konnten entfernt werden, sodass nun wieder die Details der Kleidung und Verzierungen sichtbar sind.




Nicht nur in Schluderns gibt es sogenannte Katakombenheilige, auch Heilige Laiber genannt. Auch in vielen anderen Kirchen in der nördlichen Hälfte von Südtirol, Österreich und Süddeutschland finden sich solche als Teil von Altaren.Â
Die Zeit in der die Katakombenheiligen als Kultobjekte von Rom nach Südtirol gebracht wurden war eine bewegte Zeit. Die Gegenreformation war in vollem Gange, denn die Kirche in Rom kämpfte nach der Ausbreitung der Reformation um ihre Machtstellung in Europa. Da kam die Wiederentdeckung der Katakomben unter den Straßen Roms Ende des 16. Jahrhunderts wie ein Zeichen Gottes: ein handfester Beweis für die Existenz der frühchristlichen Märtyrer und so eine Legitimation für die römisch katholische Kirche. Um den Glauben in den von der Reformation beeinflussten Regionen zu stärken wurden diese Reliquien von Rom hertransportiert. In den Bestimmungsorten wurden sie meist von Klosterfrauen mit Stoffen, Borten und feinen Klosterarbeiten verziert und zu besonderen Kultobjekten zusammengestellt.Â
Diese Art von Kultobjekte sind heutzutage schwer zu verstehen. Das erklärt wahrscheinlich warum sie in Vergessenheit geraten sind - manchmal zugedeckt und nur zu hohen Festtagen sichtbar, manchmal so verstaubt, dass sie gräulich erscheinen und die glänzenden Verzierungen aus Drähten und Glassteinen nicht mehr sichtbar sind.Â
In der Kirche Maria Himmelfahrt in Schluderns (Vinschgau, IT) steht ein Hauptaltar mit vier Katakombenheiligen. Der barocke Altar wurde nicht für die Kirche gemacht, sondern ist Teil eines Altars, der ursprünglich im Kloster Marienberg gestanden hatte. In der Kirche in Schluderns steht deshalb auch nur ein Teil des Altars.
Die vier Katakombenheiligen sind in einer eigenen Nische mit Glasabdeckung platziert. Der Hl. Theodorius und Hl. Victorius links und rechts außend stehend, der Hl. Benedictus und Hl. Fidelis knien in den beiden mittleren Nischen. Alle vier tragen ein Schwert und einen Zweig als Insignien, sind "bekleidet" mit Soldatenrock und Mantel und reich verziert.
Die vielen kleinteilig und in unterschiedlichsten Techniken gefertigten Klosterarbeiten auf dem Körper und der Kleidung der Katakombenheiligen stellten eine besondere Herausforderung bei der Restaurierung dar: Jedes einzelne Element musste abgenommen, konserviert und wieder an der gleichen Stelle befestigt werden. Außerdem finden sich an den Verzierungen sehr viele verschiedene Materialien. Von kostbaren Seidengeweben und aufwendig gearbeiteten Metallborten über feine Gold- und Silberdrähte zu bunten Glassteinen und künstlichen Perlen. Also neben Textilien auch Metall, Glas, Wachs, Papier und sogar Rosshaare für die Perücken.
Zu Beginn der Restaurierung wurden die Einzelteile vorsichtig abgenommen. Sie waren mit Nägeln an der Holzfigur fixiert. Die sorgfältige Dokumentation ihrer ursprünglichen Position war für die spätere Wieder-Montage essenziell. Die verschmutzten Einzelteile wurden je nach Materialität trocken und nass gereinigt, ausgelegt und getrocknet und wo nötig nähtechnisch gesichert. Zum Schluss wurde alle Einzelteile wieder an der gleichen Stelle montiert und dann in der Kirche wieder auf den Sockeln und in den Nischen angebracht.
Die Restaurierungsarbeiten konnten im Juli 2025 abgeschlossen werden. Die Katakombenheiligen sind seitdem in der Pfarrkirche in Schluderns zu besichtigen. An Festtagen und bei Besuch der Kirche werden die Heiligen beleuchtet und die Gewebe und Klosterarbeiten sind gut sichtbar. Schluderns liegt im Vinschgau und ist mit der Vinschger Bahn von Meran aus erreichbar. Der Besuch der Katakombenheiligen lässt sich gut mit einem Besuch des Vusemus verbinden, das verschiedene Ausstellungen zum Kutur- und Lebensraum Vinschgau zeigt.
Die Europäische Textilakademie beschäftigt sich in einem Projekt mit den Ganzkörperreliquien:"Die „Katakombenheiligen“ in Südtirol – Erforschung, Erhaltung und Aufwertung eines vergessenen Kulturerbes"
Artikel in der Zeitschrift Restauro über die Restaurierung von Katakombenheiligen:Die Erhaltung und Erforschung der Südtiroler Katakombenheiligen

Vor der Restaurierung sind die Katakombenheiligen in der Kirche Maria Himmelfahrt in Schluderns wohl kaum ins Auge gefallen als man die Kirche betrat. Ganz hinten am Hauptaltar in Nischen, von einer Glasscheibe geschützt und mit Schichten von Staub bedeckt, fristeten sie ihr Dasein im Dornröschenschlaf, bis sie restauriert wurden. Die Restaurierung war ein voller Erfolg, die Verschmutzungen konnten entfernt werden, sodass nun wieder die Details der Kleidung und Verzierungen sichtbar sind.




Nicht nur in Schluderns gibt es sogenannte Katakombenheilige, auch Heilige Laiber genannt. Auch in vielen anderen Kirchen in der nördlichen Hälfte von Südtirol, Österreich und Süddeutschland finden sich solche als Teil von Altaren.Â
Die Zeit in der die Katakombenheiligen als Kultobjekte von Rom nach Südtirol gebracht wurden war eine bewegte Zeit. Die Gegenreformation war in vollem Gange, denn die Kirche in Rom kämpfte nach der Ausbreitung der Reformation um ihre Machtstellung in Europa. Da kam die Wiederentdeckung der Katakomben unter den Straßen Roms Ende des 16. Jahrhunderts wie ein Zeichen Gottes: ein handfester Beweis für die Existenz der frühchristlichen Märtyrer und so eine Legitimation für die römisch katholische Kirche. Um den Glauben in den von der Reformation beeinflussten Regionen zu stärken wurden diese Reliquien von Rom hertransportiert. In den Bestimmungsorten wurden sie meist von Klosterfrauen mit Stoffen, Borten und feinen Klosterarbeiten verziert und zu besonderen Kultobjekten zusammengestellt.Â
Diese Art von Kultobjekte sind heutzutage schwer zu verstehen. Das erklärt wahrscheinlich warum sie in Vergessenheit geraten sind - manchmal zugedeckt und nur zu hohen Festtagen sichtbar, manchmal so verstaubt, dass sie gräulich erscheinen und die glänzenden Verzierungen aus Drähten und Glassteinen nicht mehr sichtbar sind.Â
In der Kirche Maria Himmelfahrt in Schluderns (Vinschgau, IT) steht ein Hauptaltar mit vier Katakombenheiligen. Der barocke Altar wurde nicht für die Kirche gemacht, sondern ist Teil eines Altars, der ursprünglich im Kloster Marienberg gestanden hatte. In der Kirche in Schluderns steht deshalb auch nur ein Teil des Altars.
Die vier Katakombenheiligen sind in einer eigenen Nische mit Glasabdeckung platziert. Der Hl. Theodorius und Hl. Victorius links und rechts außend stehend, der Hl. Benedictus und Hl. Fidelis knien in den beiden mittleren Nischen. Alle vier tragen ein Schwert und einen Zweig als Insignien, sind "bekleidet" mit Soldatenrock und Mantel und reich verziert.
Die vielen kleinteilig und in unterschiedlichsten Techniken gefertigten Klosterarbeiten auf dem Körper und der Kleidung der Katakombenheiligen stellten eine besondere Herausforderung bei der Restaurierung dar: Jedes einzelne Element musste abgenommen, konserviert und wieder an der gleichen Stelle befestigt werden. Außerdem finden sich an den Verzierungen sehr viele verschiedene Materialien. Von kostbaren Seidengeweben und aufwendig gearbeiteten Metallborten über feine Gold- und Silberdrähte zu bunten Glassteinen und künstlichen Perlen. Also neben Textilien auch Metall, Glas, Wachs, Papier und sogar Rosshaare für die Perücken.
Zu Beginn der Restaurierung wurden die Einzelteile vorsichtig abgenommen. Sie waren mit Nägeln an der Holzfigur fixiert. Die sorgfältige Dokumentation ihrer ursprünglichen Position war für die spätere Wieder-Montage essenziell. Die verschmutzten Einzelteile wurden je nach Materialität trocken und nass gereinigt, ausgelegt und getrocknet und wo nötig nähtechnisch gesichert. Zum Schluss wurde alle Einzelteile wieder an der gleichen Stelle montiert und dann in der Kirche wieder auf den Sockeln und in den Nischen angebracht.
Die Restaurierungsarbeiten konnten im Juli 2025 abgeschlossen werden. Die Katakombenheiligen sind seitdem in der Pfarrkirche in Schluderns zu besichtigen. An Festtagen und bei Besuch der Kirche werden die Heiligen beleuchtet und die Gewebe und Klosterarbeiten sind gut sichtbar. Schluderns liegt im Vinschgau und ist mit der Vinschger Bahn von Meran aus erreichbar. Der Besuch der Katakombenheiligen lässt sich gut mit einem Besuch des Vusemus verbinden, das verschiedene Ausstellungen zum Kutur- und Lebensraum Vinschgau zeigt.
Die Europäische Textilakademie beschäftigt sich in einem Projekt mit den Ganzkörperreliquien:"Die „Katakombenheiligen“ in Südtirol – Erforschung, Erhaltung und Aufwertung eines vergessenen Kulturerbes"
Artikel in der Zeitschrift Restauro über die Restaurierung von Katakombenheiligen:Die Erhaltung und Erforschung der Südtiroler Katakombenheiligen
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